
Seit Jahren hatte ich ein wachsendes Interesse an einem Kurzeinsatz. Die perfekte Chance dafür ergab sich, als ich vor Beginn der Weiterbildung zum Techniker eine Phase der Arbeitslosigkeit überbrücken musste. Ich habe mich im Internet informiert, aber schlussendlich kam der Kontakt mit ReachAcross auf der Jugendkonferenz für Weltmission in Stuttgart zustande. Als das Angebot stand, in ein islamisches Land zu gehen, dachte ich erst: “Oh nein, was soll ich denn da?” Nach einer Zeit des Überlegens konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden – ich wusste mich von Gott geleitet.
Nun ging alles sehr flott. Innerhalb eines Monats musste ich mich nun darauf vorbereiten, sechs Monate in einem fremden Land zu leben, das krasse Unterschiede zu Deutschland aufwies. Das hieß nun Bücher über den Islam zu lesen, Englisch aufzufrischen und Versicherungsfragen zu klären.
Vor Ort habe ich als Chemielaborant im Labor des christlichen Krankenhauses mitgearbeitet. Außerdem half ich im Büro im Computerbereich mit: Tabellen und Texte erstellen oder die Homepage aktualisieren. Die Sprache im Team war Englisch. Das stellte mich vor Probleme, da mein Schulenglisch schon fünf Jahre zurücklag. Aber ich fand mich schnell zurecht und erlebte, mit einem Lächeln im Gesicht wird man leichter verstanden.
Interessant war es den einheimischen christlichen Gottesdienst mitzuerleben. Die Christen singen und machen begeistert Musik. Da die Predigt in der Landessprache gehalten wurde, konnte ich ihr nicht folgen. Jedoch gelang es mir besser als erwartet, mir während der Predigt Gedanken zu den entsprechenden Bibelstellen zu machen. Das brachte mich in die Nähe Gottes. Jeder Tag begann mit einer kleinen Andacht und einem Lied, und es war immer eine schöne Zeit, den Tag gemeinsam in Gottes Hände zu legen.
Ein Teil meines Einsatzes war von furchtbaren Überschwemmungen im Land geprägt. Unser Ort in den Bergen im Norden war nicht so stark betroffen. Trotzdem waren die Schäden an der Infrastruktur auch in der nördlichen Region enorm: Eingestürzte Brücken, durch Erdrutsche verschüttete Straßen und weggespülte Ufertrassen, die mit Straßen und Gebäuden einfach im Fluss verschwanden. Es war schrecklich, diese Schäden zu sehen. Da wir vor Ort waren, konnten wir den Betroffenen helfen, die alles verloren hatten. Mit Nahrungsmitteln, Kleidern, Bettzeug und Haushaltsutensilien war es möglich, die größte äußere Not zu lindern.
Der Einsatz hat meine Haltung zu Ausländern hier in Deutschland verändert. Nachdem ich nun selbst länger Ausländer war, weiß ich, wie schön es ist, gastfreundlich aufgenommen zu werden und was es bedeutet, wenn sich andere wirklich um einen kümmern und sich Zeit für einen nehmen. Ich danke Gott für diese Zeit, in der ich ihm näher gekommen bin und viel lernen durfte.