Die Afar

 

Lebensraum

Die Afar, auch Danakil genannt, sind in der Senke zwischen dem äthiopischen Hochland und dem Roten Meer beheimatet - eine der ödesten, heißesten und unwirtlichsten Gegenden der Welt. In der Danakilsenke sind Temperaturen von 50°C im Schatten keine Seltenheit!

 

Überlebensstrategie

Die unwirtlichen Senken der Danakil waren ihre "Fluchtburgen", aus denen sie nie jemand vertrieb. Jeden Eindringling abwehren oder vernichten, das war ihre Überlebensstrategie. Ein Afar fürchtet den Kampf nicht, er ist stets dazu bereit. Noch bis vor kurzem galt die Tötung eines feindlichen Mannes als Beweis der Männlichkeit und Ehefähigkeit.

Doch dieses Abschotten nach außen bietet ihnen heute keine Perspektive für die Zukunft mehr. Seit der Entstehung des Staates Eritrea sind die Afar auf drei Länder verteilt. Spätestens seit dem Bürgerkrieg in Dschibuti sind sie politisch zerstritten und wirtschaftlich ausgeblutet.

Mehr und mehr Afar suchen den Weg in den Westen, in Länder wie Frankreich, Schweden, Kanada und Australien.

 

Eine Kultur im Wandel

Die Afar zählen etwa eine halbe Million Menschen und lebten traditionell vor allem von ihren Kamel-, Ziegen- und Schafherden. Auch der Handel mittels Kamelkarawanen spielte früher als Einkommensquelle eine Rolle. Ihre erstaunliche Mobilität in dieser wüsten Gegend ohne moderne Infrastruktur sicherte ihr Überleben. Die mit Matten gedeckten Rundhütten waren schnell abgebaut und auf Kamelen zum nächsten Weideplatz verfrachtet.

Heute sind viele Afar in die Städte abgewandert und mehr oder weniger sesshaft geworden. Die Leute auf dem Land überleben durch den illegalen Handel mit Schmuggelware, durch Nahrungsmittelzuwendungen der internationalen Organisationen oder durch finanzielle Hilfe von Verwandten in der Stadt, die gut verdienen.

 

Glaube

Die Afar haben sich schon früh in ihrer Geschichte dem Islam zugewandt. Dennoch bestimmt bis heute der vorislamische Geisterglaube das Denken und Leben der Afar.

 

Gemeindebau unter Nomaden

ReachAcross begann im Jahre 1956 eine medizinische Arbeit unter den Afar am Rande der Wüste, d.h. am Roten Meer. Später wurden Stationen am westlichen Rand der Danakilsenke errichtet. Seit 20 Jahren erreichen wir die Afar nur noch im Süden, d.h. in der Republik Dschibuti.

Noch sind die sichtbaren Ergebnisse von 40 Jahren Missionsarbeit nicht überwältigend! Gemessen an der Schwierigkeit der Aufgabe sind sie dennoch erfreulich. Die Gründung einer christlichen Gemeinde steckt noch in den Anfängen. Aber Gemeindebau unter einem Nomadenvolk ist keine einfache Sache! Die Afar sind ausgeprägte Individualisten und sie kennen keine schriftliche, sondern nur mündliche Überlieferung.

Rhetorik, das ist eine Kunst, welche die Afar bestens beherrschen. Das spiegelt sich auch in ihrer komplizierten Sprache wider. Eine enorme Herausforderung für die Missionare, die das Evangelium vor allem mündlich weitergeben müssen, denn nur wenige Afar können lesen und schreiben.

Die Folgen des Bürgerkrieges in Dschibuti haben die Arbeit auf dem Land sehr erschwert. Trotzdem wollen wir diese Arbeit wieder intensivieren, weil dort die Not am größten ist.

 

Nach 45 Jahren Missionsarbeit:

  • Eine Reihe von Afar sind Christen geworden, darunter einer aus der Großfamilie des Sultans von Aussa.
  • Die Sprache der Afar ist schriftlich erfasst, das Neue Testament liegt bereits gedruckt vor und auch den Jesus-Film gibt es schon in der Afar-Sprache. Das Alte Testament steht kurz vor der Drucklegung.
  • Radiosendungen und Kassetten mit biblischen Botschaften und Liedern wurden erstellt.
  • Neben einem Afar-Englisch-Französische Lexikon gibt es heute auch ein Englisch-Afar Lexikon.

Die kontinuierliche Arbeit an der Afar-Sprache im Bereich Forschung und Übersetzung hat entscheidend geholfen, das Selbstvertrauen der Afar in der Auseinandersetzung mit dem Einfluss der westlichen und arabischen Kultur zu stärken. Die Ergebnisse dieser Arbeit, die übersetzte Bibel und andere christliche Literatur, spielen nun eine wichtige Rolle für die zunehmende Zahl von Afar, die daran interessiert sind, Texte in ihrer eigenen Sprache zu lesen und zu schreiben.

 

Missionsstrategie

Wie kann man die Afar heute am besten missionarisch erreichen?

 

Neue Wege im Bereich der Hilfsprojekte

Die Afar sind nach wie vor sehr skeptisch gegenüber Neuem und gegenüber Personen im Allgemeinen. Zu oft sind sie enttäuscht worden und enttäuschen / täuschen andere. Die jüngere Geschichte zeigt: Hilfsprojekte, die unweigerlich die Frage aufwerfen, „Wer profitiert am meisten?“, bringen nur noch mehr Zerrissenheit, Streit und Hass und für die „Helfer“ enorme Probleme. Wir müssen den Afar endlich die Gelegenheit geben ihrer Würde gerecht zu werden! Sie dürfen nicht länger zu „Hilfsobjekten“ degradiert werden. Kennen wir sie wirklich, das stolze, zähe Volk? Selbst der Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist fragwürdig, da bei solchen Projekten wiederum der Input von außen am Anfang steht. Es sind Projektansätze nötig, bei denen sich die Afar ernst genommen fühlen und als Partner und ebenbürtiges Gegenüber gefordert sind.

 

Anhaltende Missionsarbeit

Es gilt einen Weg zu finden, wo aufgebautes Vertrauen weitergehen kann. Vertrauen kann nicht an nachfolgende Mitarbeiter vererbt werden. Sollten wir nicht einen nomadischen „Outreach“ Stil einüben? Das heißt, dass Mitarbeiter, die aus familiären Gründen nicht mehr dauerhaft im Land sein können, immer wieder zurückkommen und den Kontakt halten, wenn möglich über viele Jahre. Die Afar sind verletzt und enttäuscht, daß sie keine ehemaligen Mitarbeiter sehen. Wir müssen dringend einen Weg finden, wo ehemalige Mitarbeiter zu andauernden Mitarbeitern werden! Die heutige Mobilität kommt uns da entgegen. Die langjährige Erfahrung lehrt, dass es für den Beziehungsaufbau mit Einheimischen nur gut ist, wenn man nicht immer anwesend ist, aber immer wieder mal kommt.

 

Gebet

Eine der effektivsten und direktesten Wege, Afar zu erreichen, ist das Gebet mit den Afar und für die Afar. Es gibt viele Gelegenheiten mit den Afar zu beten, sei es für das Essen oder für Kranke. Dieser Dienst sollte ausgebaut werden. Man kann mit den Bauern für ihre Tiere, ihre Gärten und um Regen beten. Die Afar müssen hören, daß Gott ein Gott ist, dem man nahen und vertrauen kann, mit dem man sprechen kann. Dies geschieht am besten wenn sie jemand hören, der ein vertrautes Verhältnis zu Gott hat.

 

Internet

Die Afar könnten gut über das Internet erreicht werden. Radiosendungen, Lieder, Texte, Chatrooms sollten auf einer Webseite für sie eingerichtet werden. Dieser Ansatz würde sich nicht nur für die Afar im Ausland eignen, sondern auch für viele, die Internetcafés besuchen oder gelangweilt am Arbeitsplatz hinter dem PC sitzen und vergebens nach Afar Internet-Seiten suchen.

 

Gebetsanliegen

Wichtige Anliegen für die missionarische Arbeit unter den Afar:

  • Dass kontinuierlich weiter Radiobotschaften erstellt werden können, die Afar zum Glauben rufen und die, die Christen wurden, auf dem Weg mit Jesus ermutigen.
  • Dass ein geistlicher Aufbruch unter den Afar geschieht und viele zum Glauben an Jesus Christus kommen.
  • Dass Afar, die Christen wurden, einander vertrauen und so Gemeinde Jesu entsteht.
  • Dass Gott mehr Mitarbeiter unter dieses vernachlässigte Volk sendet.
  • Ein Durchbruch des Evangeliums unter den Afar wird verhindert durch:
  • Blockaden

  • Mentale Unterentwicklung durch Unterernährung (schon als Fötus) und fehlender, falscher oder einseitiger Ausbildung
  • durch Inzucht; Alkohol, Drogen
  • Fatalismus, Dämonenkult
  • Bindungen
  • durch Zauberei und Magie
  • Geldschulden
  • Familienstreit, Clan Rivalitäten
  • negative Lebensumstände
  • politisch, wirtschaftlich und medizinisch benachteiligt
  • Dürre, Hunger,
  • Hoffnungslosigkeit, Frustration, schnelle Resignation, Depression
  • Druck und Einfluss von Seiten des Islam
  • Gebet für die an Jesus gläubig gewordenen Afar:
  • Der Druck (die Verfolgung durch die eigene Familie und die Altersgruppe) auf sie ist so groß, dass viele nicht zu ihrem Glauben an Jesus stehen.
  • Das Misstrauen und die Verachtung gegenüber anderen Jesus-Gläubigen unter den Afar sind so groß, dass sie keine Gemeinschaft suchen.

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